Vögel

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Vogelarten in Streuobstflächen

Streuobstflächen zeichnen sich durch eine hohe Struktur- und Altersheterogenität der Bäume, einen oft beträchtlichen Totholzanteil sowie eine schonende Pflege und Nutzung aus [1]. Diese Merkmale machen Streuobstflächen zu einem bedeutenden Lebensraum für zahlreiche Tierarten [2], insbesondere für Vögel, die hier sowohl Nist- als auch Nahrungshabitate finden [3, 4].

Lebensraumfunktion von Streuobstflächen für Vögel

Die besondere Struktur von Streuobstflächen schafft ideale Bedingungen für eine hohe Artenvielfalt [4]. Altbäume spielen dabei eine zentrale Rolle, da sie durch Baumhöhlen und Totholz wichtige Nist- und Versteckmöglichkeiten bieten [3]. Diese Strukturen sind nicht nur für Vögel, sondern auch für Fledermäuse und Insekten von großer Bedeutung [1]. Die extensive Bewirtschaftung, wie etwa eine schlagweise Mahd und das Belassen von Totholz in verträglichem Ausmaß, fördert eine hohe Insektenbiomasse [5]. Diese stellt eine essenzielle Nahrungsquelle für viele Vogelarten dar [4]. Darüber hinaus bieten die Obstbäume selbst durch ihre Früchte eine zusätzliche Nahrungsgrundlage, die insbesondere im Herbst und Winter von Bedeutung ist [6].

Typische Vogelarten in Streuobstflächen

Die vielfältigen Strukturen und Ressourcen in Streuobstflächen ziehen eine Vielzahl von Vogelarten an, die sich an die besonderen Bedingungen dieses Lebensraums angepasst haben. Zu den typischen Vertretern gehören:

  • Gartenrotschwanz (Phoenicurus phoenicurus): Dieser Zugvogel brütet gerne in Baumhöhlen oder Nistkästen und findet in Streuobstflächen reichlich Insektennahrung [5, 7, 8].
  • Grünspecht (Picus viridis): Der Grünspecht ernährt sich vor allem von Ameisen, die er auf den Wiesen unter den Obstbäumen findet. Alte Bäume dienen ihm als Brutplatz [7, 8].
Ein Grünspecht, der in einer kurzrasigen Wiese sitzt und nach rechts oben blickt.
Grünspecht (Picus viridis)
  • Star (Sturnus vulgaris): Stare sind Höhlenbrüter und können die Baumhöhlen der Obstbäume als Nistplatz nutzen. Sie ernähren sich von Insekten und Früchten [7, 8].
  • Steinkauz (Athene noctua): Der Steinkauz ist ein charakteristischer Bewohner von Streuobstflächen. Er nutzt alte Baumhöhlen als Brutplatz und jagt auf den offenen, kurzrasigen Flächen [7, 8].
  • Wendehals (Jynx torquilla): Der Wendehals, ein Vertreter der Spechte, ist auf Ameisen spezialisiert und bevorzugt offene, strukturreiche Kulturlandschaften mit alten Bäumen [7, 8].
  • Wiedehopf (Upupa epops): Der Wiedehopf bevorzugt offene Landschaften mit alten Bäumen und ist ein charakteristischer Bewohner von Streuobstflächen. Die auffällige Vogelart ist ein Höhlenbrüter. Die Nahrungssuche findet auf kurzrasigen Flächen statt [7, 8].

Bedeutung für den Naturschutz

Streuobstflächen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen Mitteleuropas und sind daher von großer Bedeutung für den Naturschutz [1]. Viele der in diesen Gebieten lebenden Vogelarten sind auf die spezifischen Strukturen und Ressourcen angewiesen, die Streuobstflächen bieten [6, 9]. Der Verlust von traditionellen Kulturlandschaften durch Intensivierung der Landwirtschaft und Flächenversiegelung hat jedoch dazu geführt, dass viele dieser Vogelarten gefährdet sind [10]. Der Erhalt und die Pflege von Streuobstflächen sind daher essenziell, um die Biodiversität zu fördern und den Lebensraum für diese Vogelarten zu sichern [2].

Einzelnachweise

1. Henle, K. et al. (2024). Streuobstbestände in Deutschland: Naturschutzfachliche Bedeutung, Bestandssituation und Handlungsempfehlungen (BfN-Schriften 679). Bundesamt für Naturschutz. https://doi.org/10.19217/skr679

2. Horak, J., Peltanova, A., Podavkova, A., Safarova, L., Bogusch, P., Romportl, D. & Zasadil, P. (2013). Biodiversity responses to land use in traditional fruit orchards of a rural agricultural landscape. Agriculture, Ecosystems & Environment, 178, 71–77. https://doi.org/10.1016/j.agee.2013.06.020

3. Grüebler, M. U., Schaller, S., Keil, H., & Naef-Daenzer, B. (2013). The occurrence of cavities in fruit trees: Effects of tree age and management on biodiversity in traditional European orchards. Biodiversity and Conservation, 22, 3233–3246. https://doi.org/10.1007/s10531-013-0581-6

4. Kajtoch, Ł. (2017). The importance of traditional orchards for breeding birds: The preliminary study on Central European example. Acta Oecologica, 78, 53-60. https://doi.org/10.1016/j.actao.2016.12.010

5. Sattler, C., Schrader, J., Hüttner, M.-L. & Henle, K. (2024). Effects of management, habitat and landscape characteristics on biodiversity of orchard meadows in Central Europe: A brief review. Nature Conservation, 55, 103–134. https://doi.org/10.3897/natureconservation.55.108688

6. Myczko, Ł., Rosin, Z. M., Skórka, P., Wylegała, P., Tobolka, M., Fliszkiewicz, M., Mizera, T. & Tryjanowski, P. (2013). Effects of management intensity and orchard features on bird communities in winter. Ecological Research, 28, 503–512. https://doi.org/10.1007/s11284-013-1039-8

7. Svensson, L., Mullarney, K., Zetterström, D., & Grant, P. J. (2011). Der Kosmos Vogelführer: Alle Arten Europas, Nordafrikas und Vorderasiens. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG.

8. Südbeck, P. (Hrsg.). (2005). Methodenstandards zur Erfassung der Brutvögel Deutschlands. Radolfzell.

9. Kajtoch, Ł. (2023). Loss of traditional orchards and its impact on the occurrence of threatened tree-dwelling bird species. Agriculture, 13 (12), 2267. https://doi.org/10.3390/agriculture13122267

10. Donald, P. F., Green, R. E., & Heath, M. F. (2001). Agricultural intensification and the collapse of Europe’s farmland bird populations. Proceedings of the Royal Society B: Biological Sciences, 268 (1462), 25–29. https://doi.org/10.1098/rspb.2000.1325