Monilia

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Monilia-Krankheiten (Monilinia spp.)

Einleitung

Die Monilia-Krankheiten, auch als Moniliafäule oder Braunfäule bezeichnet, gehören zu den wichtigsten Pilzkrankheiten an Stein- und Kernobst. Hauptverursacher sind Arten der Gattung Monilinia , insbesondere Monilinia laxa (Aderhold & Ruhland) Honey, M. fructicola (Winter) Honey und M. fructigena (Aderhold & Ruhland) Honey. Diese Erreger befallen Blüten, Zweige und Früchte und können zu erheblichen Ertrags- und Qualitätsverlusten führen. M. laxa und M. fructigena sind in Mitteleuropa weit verbreitet, während M. fructicola ursprünglich aus Nordamerika stammt und erst seit Beginn der 2000er-Jahre in Europa auftritt (1, 3, 8).

Taxonomie / Systematik

  • Reich: Fungi
  • Abteilung: Ascomycota
  • Klasse: Leotiomycetes
  • Ordnung: Helotiales
  • Familie: Sclerotiniaceae
  • Gattung: Monilinia
  • Wichtige Arten:
    • Monilinia laxa (Aderhold & Ruhland) Honey
    • Monilinia fructicola (Winter) Honey
    • Monilinia fructigena (Aderhold & Ruhland) Honey

Monilinia fructicola ist von der EPPO als Quarantäneschädling (A2-Liste Nr. 153) eingestuft und steht in Europa unter amtlicher Beobachtung (3).

Verbreitung

Die Monilia-Krankheiten sind weltweit in allen gemäßigten Obstbaugebieten verbreitet. In Mitteleuropa, insbesondere im deutschsprachigen Raum, ist Monilinia laxa der dominierende Erreger an Steinobst, während M. fructigena überwiegend Kernobst befällt. M. fructicola, ursprünglich aus Nordamerika, wurde seit den 2000er-Jahren mehrfach in Süd- und Mitteleuropa nachgewiesen, bleibt aber bislang auf wenige Fälle beschränkt (3, 4, 8).

Biologie und Krankheitszyklus

Die Erreger überwintern als Myzel in Fruchtmumien, in befallenen Trieben oder an der Rinde. Im Frühjahr, bei feucht-milder Witterung, bilden sich auf diesen Überresten Konidien, die über Regen, Wind oder Insekten verbreitet werden. Die Primärinfektion erfolgt meist zur Blütezeit. Von infizierten Blüten breitet sich der Pilz in angrenzende Triebspitzen aus, was zur typischen Spitzendürre führt. Befallene Blüten und Zweige vertrocknen, bleiben häufig am Baum hängen und dienen als Infektionsquelle für die folgende Saison. Mit zunehmender Fruchtreife steigt die Anfälligkeit deutlich. Verletzungen durch Hagel, Insekten oder mechanische Einwirkungen fördern den Befall. Unter feucht-warmen Bedingungen (20–25 °C, hohe Luftfeuchtigkeit) entwickelt sich die Fruchtfäule rasch; auf der Oberfläche erscheinen graubraune, konzentrisch angeordnete Sporenlager (Sporodochien). Die Früchte trocknen ein, schrumpfen zu Mumien und bleiben oft am Baum hängen oder fallen zu Boden (1, 2, 3). Die Temperaturabhängigkeit spielt eine zentrale Rolle: M. laxa wächst optimal bei 20–25 °C, M. fructicola bevorzugt höhere Temperaturen bis etwa 33 °C (2).

Symptome

Die von Monilinia-Arten verursachten Krankheiten treten in mehreren, klar unterscheidbaren Formen auf. Die Blütenmonilia befällt offene Blüten während der Blütezeit; diese verfärben sich braun, vertrocknen und bleiben häufig am Baum haften. Ausgehend von den Blüten kann der Pilz in junge Triebe eindringen, was zur Spitzendürre führt, bei der Triebspitzen und angrenzende Blätter absterben. Im weiteren Jahresverlauf entsteht die Fruchtfäule (Braunfäule), die meist kurz vor der Reife einsetzt. Sie beginnt mit kleinen braunen Flecken, die sich rasch über die gesamte Frucht ausbreiten. Charakteristisch ist die Bildung grauer bis hellbrauner, ringförmig angeordneter Sporenlager. Befallene Früchte schrumpfen ein, verhärten und verbleiben häufig als Fruchtmumien im Baum. Während der Lagerung kann sich zudem eine Lagerfäule entwickeln, wenn latente Infektionen aktiv werden und gesunde Früchte befallen.

Bedeutung für Streuobstbestände

In extensiven, wenig behandelten Obstbeständen kann Monilia eine wichtige Rolle spielen, da alte Bäume, dichte Kronen und Fruchtmumien im Bestand das Infektionspotenzial erhöhen. Gleichzeitig sind Streuobstbestände im gesamten deutschsprachigen Raum landschaftlich, ökologisch und kulturell von hoher Bedeutung. Relevante Befälle treten meist bei empfindlichen Sorten und längerer Feuchtigkeitsperiode auf. Entscheidend für die Befallsdynamik sind Pflege, Schnittführung und Witterungsschutz. Monilia-Erkrankungen stellen einen von mehreren Faktoren dar, die die Vitalität von Streuobstbeständen beeinflussen können, neben fehlender Pflege, Alterung der Bäume und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen (5, 8).

Sortenanfälligkeit

Die Anfälligkeit variiert stark zwischen Arten und Sorten. Frühblühende Aprikosen- und Sauerkirschsorten gelten als besonders empfindlich gegenüber M. laxa, während Pfirsiche und Nektarinen häufiger durch M. fructicola befallen werden. Bei Kernobst tritt M. fructigena am häufigsten auf. Sorten mit dichter Krone oder spätem Reifetermin zeigen tendenziell höhere Infektionsraten. Lokale oder alte Sorten können – abhängig von Witterung und Standort – unterschiedlich tolerant reagieren (1, 2, 8).

Bekämpfung und Management

Biologische Maßnahmen

Biologische Kontrollansätze zielen darauf ab, das Myzelwachstum oder die Sporenbildung der Erreger zu hemmen. Der Pilzantagonist Epicoccum nigrum zeigte in mehreren Untersuchungen eine deutliche Reduktion der Krankheitsintensität, teilweise vergleichbar mit chemischen Standardbehandlungen (6). Weitere Studien belegen das Potenzial von bakteriellen und hefenähnlichen Antagonisten wie Bacillus pumilus, B. velezensis, Lysinibacillus agricola, Pseudomonas chlororaphis und Aureobasidium pullulans, die in vitro das Wachstum der Erreger um bis zu 80 % hemmen (7). Diese Organismen gelten als vielversprechende Kandidaten für den ökologischen Pflanzenschutz.

Kulturelle Maßnahmen

Besonders wirksam sind vorbeugende Kulturmaßnahmen. Entscheidend ist eine konsequente Hygiene, also das Entfernen befallener Früchte und Äste sowie das Offenhalten der Krone für eine gute Durchlüftung. Staunässe sollte vermieden, der Schnitt an die Baumform angepasst und die Baumvitalität erhalten werden. Unter Witterungsschutz entsteht nur bei anfälligen Sorten und über längere Zeit hoher Luftfeuchtigkeit ein relevanter Befallsdruck. Überdachungen während der Blütezeit können die Blütennässe reduzieren und die Infektionswahrscheinlichkeit deutlich senken (4, 8).

Chemische Maßnahmen

Im konventionellen Obstbau werden Fungizide wie Fenhexamid, Tebuconazol oder Captan eingesetzt. Im biologischen Anbau sind nur wenige Mittel zugelassen, darunter Kupferpräparate, Myco-Sin oder Kaliumbicarbonat, die eine begrenzte Wirkung aufweisen (8). Der Einsatz von Kupfer erfolgt in geringen Mengen und unter Beachtung strenger Umweltauflagen.

Integrierte Strategien

Ein nachhaltiger Schutz beruht auf der Kombination mehrerer Ansätze. Integrierte Strategien umfassen die regelmäßige Entfernung von Fruchtmumien, die Förderung vitaler Baumstrukturen, den gezielten Einsatz biologischer Antagonisten und den Einsatz standortspezifischer Maßnahmen. Eine standortgerechte Sortenwahl und angepasste Pflegekonzepte tragen wesentlich zur Reduktion des Infektionsrisikos bei.

Forschung und Entwicklung

Die aktuellen Forschungsschwerpunkte im deutschsprachigen Raum konzentrieren sich zunehmend auf ökologische und integrierte Ansätze. Dazu gehören die Optimierung von Witterungsschutzsystemen, die Reduktion des Kupfereinsatzes sowie die Entwicklung biologischer Präparate mit kombinierter Wirkung gegen verschiedene Pilzkrankheiten (4, 7, 8). Die Erforschung und Selektion antagonistisch wirkender Mikroorganismen wie Bacillus, Pseudomonas und Aureobasidium wird fortgeführt, ebenso wie die Züchtung krankheitsrobuster Sorten und angepasster Unterlagen (8). Ergänzend werden Prognose- und Frühwarnsysteme entwickelt, die auf Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Blühphase basieren und eine gezielte Einschätzung des Infektionsrisikos ermöglichen (2, 8). Insgesamt verlagert sich der Schwerpunkt der Forschung von der chemischen Bekämpfung hin zu nachhaltigen, biodiversitätsfördernden Systemstrategien, die ökologische und ökonomische Anforderungen vereinen.

Einzelnachweise

1. Martini, C. & Mari, M. (2014). Monilinia fructicola, Monilinia laxa (Monilinia Rot, Brown Rot). In: Postharvest Decay. Elsevier, 233–258. https://doi.org/10.1016/B978-0-12-411552-1.00007-7

2. Bernat, M. et al. (2017). Influence of temperature on decay, mycelium development and sporodochia production caused by Monilinia fructicola and M. laxa on stone fruits. Food Microbiology 64: 112–118. https://doi.org/10.1016/j.fm.2016.12.016

3. EPPO (2020). PM 7/18 (3) Monilinia fructicola. EPPO Bulletin 50(1): 5–18. https://doi.org/10.1111/epp.12609

4. Wurm, L. (2011). Einfluss von Folienüberdachung und Kupfer-Blütebehandlungen auf Monilia-Spitzendürrebefall, Ertrag, Fruchtqualität und Lagerfähigkeit bei Bio-Marillen. Mitteilungen Klosterneuburg 61: 34–45.

5. Breinesberger, J. et al. (2024). Streuobstanbau in Österreich – Immaterielles Kulturerbe der UNESCO. ARGE Streuobst Österreich, Klosterneuburg.

6. Madrigal, C. et al. (1994). Biological control of peach twig blight (Monilinia laxa) with Epicoccum nigrum. Plant Pathology 43: 554–561. https://doi.org/10.1111/j.1365-3059.1994.tb01586.x

7. Kolytaitė, A. et al. (2025). Unlocking Nature’s Microbial Defenders: Genetic Mechanisms and Potential Against Monilinia spp. Pathogens. Microorganisms 13(4): 818. https://doi.org/10.3390/microorganisms13040818

8. Häseli, A. & Stefani, P. (2020). Pflanzenschutz im Biosteinobstanbau. FiBL-Merkblatt Nr. 1517, Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL), Schweiz.