Insekten: Unterschied zwischen den Versionen

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===Charakteristische Wildbienenarten in Streuobstbeständen Österreichs===
===Charakteristische Wildbienenarten in Streuobstbeständen Österreichs===
Aktuelle Analysen der Wildbienendaten des Projektes DivMoSt: Biodiversitätsmonitoring von Streuobstflächen in Österreich [[https://boku.ac.at/oekb/zool/forschung/arbeitsgruppen/ag-kratschmer/divmost]] ergeben, dass vor allem oberirdisch nistende Wildbienenarten charakteristisch für Streuobstbestände in Österreich sind. Mauerbienen (''Osmia cornuta'', ''Osmia bicornis'', ''Osmia leaiana''), Löcherbienen (z.B. ''Heriades truncorum'') oder Scherenbienen (z. B. ''Chelostoma florisomne'') profitieren von alten Bäumen und den dort vorhandenen Käferfraßgängen in denen sie nisten. Letztere – die Hahnenfuß-Scherenbiene ist streng oligolektisch [[https://de.wikipedia.org/wiki/Oligolektie]] auf Hahnenfuß.  
Aktuelle Analysen der Wildbienendaten des Projektes DivMoSt: Biodiversitätsmonitoring von Streuobstflächen in Österreich [[https://boku.ac.at/oekb/zool/forschung/arbeitsgruppen/ag-kratschmer/divmost]] ergeben, dass vor allem oberirdisch nistende Wildbienenarten charakteristisch für Streuobstbestände in Österreich sind. Mauerbienen (''Osmia cornuta'', ''Osmia bicornis'', ''Osmia leaiana''), Löcherbienen (z.B. ''Heriades truncorum'') oder Scherenbienen (z. B. ''Chelostoma florisomne'') profitieren von alten Bäumen und den dort vorhandenen Käferfraßgängen in denen sie nisten. Letztere – die Hahnenfuß-Scherenbiene ist streng oligolektisch [[https://de.wikipedia.org/wiki/Oligolektie]] auf Hahnenfuß.  
[[Datei:Dunkelgrüne Schmalbiene c. Sophie Kratschmer
[[Datei:Dunkelgrüne Schmalbiene c. Sophie Kratschmer.jpg|thumb|upright=1.5|right|Die Dunkelgrüne Schmalbiene (''Lasioglossum morio'') ist nur etwa 5-6mm groß und nistet im Boden. © Sophie Kratschmer 2020]]
.jpg|thumb|upright=1.5|right|Die Dunkelgrüne Schmalbiene (''Lasioglossum morio'') ist nur etwa 5-6mm groß und nistet im Boden. © Sophie Kratschmer 2020]]
 
Die Zweihöckrige Mauerbiene (''Osmia leaina'') und die Gewöhnliche Löcherbiene (''Heriades truncorum'') sind oligolektisch auf Korbblütler. Die spezifischen Pollenquellen sind in vielen Streuobstflächen mit extensivem Wiesenmanagement vorhanden.
Die Zweihöckrige Mauerbiene (''Osmia leaina'') und die Gewöhnliche Löcherbiene (''Heriades truncorum'') sind oligolektisch auf Korbblütler. Die spezifischen Pollenquellen sind in vielen Streuobstflächen mit extensivem Wiesenmanagement vorhanden.



Version vom 14. Dezember 2025, 12:03 Uhr

Wildbienen in Streuobstflächen

Wildbienen profitieren vom durchgängigen Blütenangebot in Streuobstflächen und gelten als wichtige Indikatororganismen, da ihre Artenzusammensetzung Aufschluss über die Lebensraumqualität eines Gebietes oder Standortes gibt [1]. Altbäume in Streuobstflächen sind von großer Bedeutung, denn Baumhöhlen und Totholz bieten Nistmöglichkeiten für xylophile Wildbienenarten, wie zum Beispiel Xylocopa violacea [2]. Zudem sind Wildbienen hochrelevante Bestäuber und tragen zum Biodiversitätserhalt bei.

Bild: Weibchen und Männchen der Blauschwarzen Holzbiene (Xylocopa violacea) auf Obstblüten © Sophie Kratschmer, 2016.

Wildbienen als Bestäuber in Streuobstflächen

Wildbienen gelten als wichtigste Bestäuberinsekten. Die Weibchen der nestbauenden Arten (etwa 75% der Arten in Mitteleuropa) ernähren ihre Nachkommen ausschließlich mit Blütenprodukten, v.a. Pollen und Nektar. Sie müssen daher Blüten besuchen [2]. Die Ökosystemleistung im Obstbau umfasst die Bestäubung von Obstblüten durch im Frühjahr aktive Wildbienen [3]. Hier sind zum Beispiel Osmia cornuta oder Osmia bicornis - zwei hochrelevante Arten für die Bestäubung von Obstbäumen [4] zu nennen. Des Weiteren können die vielen Wildbienenarten, die nach der Obstblüte aktiv sind, als Bestäuber der krautigen Pflanzen im Unterwuchs gelten, wo sie Pollen und Nektar sammeln (Kratschmer et al. unpublished). Sie erhalten daher zum einen die Diversität der Pflanzen und tragen zur Nahrungsverfügbarkeit für Organismen bei, die sich von Samen und/oder Früchten ernähren [5].

Wildbienen im Klimawandel mit besonderer Betrachtung von Streuobstflächen

Der Großteil der Wildbienenarten präferiert warme und trockene Lebensräume [2]. Der Blick auf die Diversitäts-Hot-Spots in den mediterranen Gebieten Europas und in Nordafrika macht dies deutlich [6]. Somit zählen viele Arten in Mitteleuropa zu Klimawandelprofiteuren. Viele Arten erweitern ihr Verbreitungsareal wegen der wärmeren und trockeneren Bedingungen in Europa nach Nord-Westen. Dies wird v.a. im Osten Österreichs ersichtlich, wo in den letzten Jahren einige Arten in Ausbreitung begriffen sind [7]. Studien zeigen allerdings auch, dass Wildbienenarten, die an kühle bzw. kalte Lebensräume, wie zum Beispiel in sub-alpinen Höhenstufen angepasst sind, durch den Klimawandel gefährdet sind [8]. Auch eine De-synchronisation zwischen dem Blühen von Pflanzenarten und den auf sie spezialisierten Bienenarten wird durch den Klimawandel verstärkt zum Problem [9]. Konkrete Untersuchungen aus Streuobstwiesen gibt es bis dato nicht, daher können in Folge nur Vermutungen angestellt werden: Für Streuobst in den niedrigen Höhenstufen kann vermutet werden, dass es klimawandelbedingt zu einem Zuzug an Arten kommt. Andererseits könnten Streuobstwiesen in höheren Lagen Arten verlieren, die aufgrund der wärmeren und trockeneren Bedingungen noch weiter hinauf wandern.

Charakteristische Wildbienenarten in Streuobstbeständen Österreichs

Aktuelle Analysen der Wildbienendaten des Projektes DivMoSt: Biodiversitätsmonitoring von Streuobstflächen in Österreich [[1]] ergeben, dass vor allem oberirdisch nistende Wildbienenarten charakteristisch für Streuobstbestände in Österreich sind. Mauerbienen (Osmia cornuta, Osmia bicornis, Osmia leaiana), Löcherbienen (z.B. Heriades truncorum) oder Scherenbienen (z. B. Chelostoma florisomne) profitieren von alten Bäumen und den dort vorhandenen Käferfraßgängen in denen sie nisten. Letztere – die Hahnenfuß-Scherenbiene ist streng oligolektisch [[2]] auf Hahnenfuß.

Die Dunkelgrüne Schmalbiene (Lasioglossum morio) ist nur etwa 5-6mm groß und nistet im Boden. © Sophie Kratschmer 2020

Die Zweihöckrige Mauerbiene (Osmia leaina) und die Gewöhnliche Löcherbiene (Heriades truncorum) sind oligolektisch auf Korbblütler. Die spezifischen Pollenquellen sind in vielen Streuobstflächen mit extensivem Wiesenmanagement vorhanden.

Holzbienen (z.B. Xylocopa violacea) nagen ihre Nester selber in trockenes Totholz, das in alten Beständen oft zu finden ist. Die Baumhummel (Bombus hypnorum) besiedelt gerne Baumhöhlen, um ihren Staat zu gründen.

Auf der anderen Seite dürften die Veränderliche Hummel (B.humilis) und die Ackerhummel (B.pascuorum) von extensiver Wiesenmahd für die Nestgründung profitieren, da die Nester in der Grasnarbe angelegt werden. Hummeln präferieren Klee als Nahrungsquelle, der in Streuobstbeständen oft Bestandteil der Bodenvegetation ist. Die blühenden Obstbäume sind wichtige Nahrungsquelle für die Königinnen, die im Frühjahr die Hummelstaaten etablieren.

Einige bodennistende Bienenarten aus der Gattung der Schmalbienen (Lasioglossum spp.) sind ebenfalls charakteristisch für österreichische Streuobstbestände. Die Weißbeinige Schmalbiene (Lasioglossum albipes), die Braunfühler-Schmalbiene (Lasioglossum fulvicorne), die Breitkopf-Schmalbiene (Lasioglossum laticeps), die Dunkelgrüne Schmalbiene (Lasioglossum morio) und die Zottige Schmalbiene (Lasioglossum villosulum) benötigen vegetationsfreie Bodenstellen, um die Nester in den Boden graben zu können. Letztere ist zwar polylektisch, zeigt aber eine deutliche Präferenz für Korbblütler bei der Nahrungssuche [10]. Die beiden hier angeführten staatengründenden Schmalbienenarten (L.albipes und L.morio) dürfen vom durchgängigen Blütenangebot im Unterwuchs von Streuobstbeständen profitieren.

Förderung von Wildbienen in Streuobstbeständen

Um Wildbienen zu fördern – also die Artenzahl und Dichte zu erhöhen - muss Nahrung in Form von Pollen und Nektar sowie der artspezifische Nistplatz vorhanden sein. Je höher die Strukturvielfalt auf einer Fläche ist, umso eher sind auch unterschiedliche Nistplätze, wie zum Beispiel Totholz mit Käferfraßgängen, markhaltige Pflanzenstängel (z.B. von Königkerze) oder vegetationsfreie Bodenstellen vorhanden. Alte Bäume bieten im Streuobstbestand gute Nistmöglichkeiten für Arten, die sich in vorhandenen Hohlräumen einmieten oder selbst in Totholz nagen. Das Nahrungsangebot sollte über die Vegetationsperiode hinweg möglichst vielfältig und in großer Menge vorhanden sein. Verschiedene Pflanzenfamilien wie Schmetterlingsblütler, Glockenblumen, Lippenblütler, Korbblütler oder Kardengewächse werden von unterschiedlichen Wildbienenarten angeflogen. Eigentlich ist es einfach und gilt nicht nur im Streuobstbestand: Je höher die Pflanzenvielfalt, desto höher die Bienenvielfalt. Durch eine gestaffelte Mahd kann sichergestellt werden, dass nicht das gesamte Futterangebot auf einmal knapp wird [2].

Literatur

[1] Kevan, P. G. (1999). Pollinators as bioindicators of the state of the environment: Species, activity and diversity. Agriculture, Ecosystems & Environment, 74(1–3), 373–393. https://doi.org/10.1016/S0167-8809(99)00044-4

[2] Westrich, P. (2018). Die Wildbienen Deutschlands. Stuttgart: Eugen Ulmer KG.

[3] Radzevičiūtė, R., Theodorou, P., Schlegel, M., & Paxton, R. J. (2021). A two-part modelling approach reveals a positive effect of pollinator biodiversity in boosting the pollination of apple flowers. Agriculture, Ecosystems & Environment, 306, 107197. https://doi.org/10.1016/j.agee.2020.107197

[4] Schindler, M., & Peters, B. (2011). Eignen sich die Mauerbienen Osmia bicornis und Osmia cornuta als Bestäuber im Obstbau? Erwerbs-Obstbau, 52(3), 111–116. https://doi.org/10.1007/s10341-010-0118-z

[5] Fontaine, C., Dajoz, I., Meriguet, J., & Loreau, M. (2006). Functional diversity of plant–pollinator interaction webs enhances the persistence of plant communities. PLoS Biology, 4(1), 129–135. https://doi.org/10.1371/journal.pbio.0040001

[6] Reverté, S., et al. (2023). National records of 3000 European bee and hoverfly species: A contribution to pollinator conservation. Insect Conservation and Diversity, 16(6), 758–775. https://doi.org/10.1111/icad.12680

[7] Pachinger, B., Kratschmer, S., Ockermüller, E., & Neumayer, J. (2019). Notizen zum Vorkommen und zur Ausbreitung ausgewählter Wildbienenarten (Hymenoptera: Anthophila) in den Agrarräumen Ost-Österreichs. Beiträge zur Entomofaunistik, 20, 177–198.

[8] Scharnhorst, V. S., et al. (2023). Changes in community composition and functional traits of bumblebees in an alpine ecosystem relate to climate warming. Biology, 12(2), 1–22. https://doi.org/10.3390/biology12020316

[9] Schenk, M., Krauss, J., & Holzschuh, A. (2018). Desynchronizations in bee–plant interactions cause severe fitness losses in solitary bees. Journal of Animal Ecology, 87(1), 139–149. https://doi.org/10.1111/1365-2656.12694

[10] Scheuchl, E., & Willner, W. (2016). Taschenlexikon der Wildbienen Mitteleuropas: Alle Arten im Porträt. Wiebelsheim: Quelle & Meyer Verlag.