Düngen von Obstbäumen auf der Streuobstwiese: Unterschied zwischen den Versionen
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===Mineralische Düngung=== | ===Mineralische Düngung=== | ||
Mineralische Düngung erlaubt eine gezielte Nährstoffzufuhr und sorgt dafür, dass feh-lende Mineralstoffe den Obstbäumen schneller zur Verfügung stehen, als dies bei orga-nischen Düngern der Fall ist. Zudem ist die Mineraldüngung bei verschiedenen Mangel-erscheinungen wie z. B. Kalkmangel unabdingbar. | Mineralische Düngung erlaubt eine gezielte Nährstoffzufuhr und sorgt dafür, dass feh-lende Mineralstoffe den Obstbäumen schneller zur Verfügung stehen, als dies bei orga-nischen Düngern der Fall ist. Zudem ist die Mineraldüngung bei verschiedenen Mangel-erscheinungen wie z. B. Kalkmangel unabdingbar. | ||
'''Gesteinsmehle:''' binden aufgrund ihrer feinen Körnung sehr viel Feuchtigkeit sowie vor Ort vorhandene organische Nährstoffe. Sie enthalten eine breite Palette an Mineral-stoffen und Spurenelementen. Gesteinsmehl sollte man – wie auch die einzelnen Mine-ralien - im Traufbereich der Bäume ausbringen. Die feinen Körnchen werden von Algen und Pilzen besiedelt und die Wurzeln der Pflanzen lösen durch Ausscheiden von Säu-ren Nährstoffe aus den Mineralien (= Exsudation). Würmer und andere Bodentiere neh-men die Partikel mit ihrer Nahrung auf, reichern damit ihre Ausscheidung an und trans-portieren sie in tiefere Bodenschichten. Je feiner die Körnung des Gesteins, desto schneller die Wirkung. (5) Weitere mineralische Dünger werden an dieser Stelle nicht empfohlen, weil Empfehlungen nur nach Kenntnis eines genau definierten Nährstoff-mangels gegeben werden können. Zudem ist das Streuobst-Wiki zur Unabhängigkeit verpflichtet und wird keine Dünger einzelner Firmen empfehlen. | |||
Der Zeitpunkt der Düngung ist entscheidend für ihre Effizienz: Stickstoff – einschließlich organischer Formen wie Hornspänen, die in den Boden eingearbeitet werden müssen – sollte ausschließlich im Frühjahr (Anfang März bis Anfang April) und bedarfsgerecht ausgebracht werden. Phosphor und Kalium werden in der Regel im Spätherbst oder frü-hen Frühjahr appliziert. Die Düngung erfolgt idealerweise unter der Kronentraufe, da dort die höchste Wurzelaktivität vorliegt. Die Dosierungen richten sich nach Alter des Bau-mes, Standortbedingungen und den Ergebnissen der Boden- bzw. Blattanalyse. | '''Kombination verschiedener Düngemethoden:''' Eine Kombination aus organischen und mineralischen Düngemethoden gilt häufig als sinnvoll: Organisch zur Bodenpflege und Humusbildung, mineralisch zur präzisen Nährstoffergänzung. In der Praxis zeigt sich, dass eine rein organische Versorgung bei Obstbäumen meist nicht ausreicht, ins-besondere nicht bei nährstoffarmen Standorten. (4) | ||
'''Zeitpunkt, Ausbringungstechnik und Dosierung:''' Der Zeitpunkt der Düngung ist entscheidend für ihre Effizienz: Stickstoff – einschließlich organischer Formen wie Hornspänen, die in den Boden eingearbeitet werden müssen – sollte ausschließlich im Frühjahr (Anfang März bis Anfang April) und bedarfsgerecht ausgebracht werden. Phosphor und Kalium werden in der Regel im Spätherbst oder frü-hen Frühjahr appliziert. Die Düngung erfolgt idealerweise unter der Kronentraufe, da dort die höchste Wurzelaktivität vorliegt. Die Dosierungen richten sich nach Alter des Bau-mes, Standortbedingungen und den Ergebnissen der Boden- bzw. Blattanalyse. | |||
===Auswirkungen der Düngung=== | ===Auswirkungen der Düngung=== | ||
‘‘‘Ertragssteigerung und Fruchtqualität‘‘‘ | ‘‘‘Ertragssteigerung und Fruchtqualität‘‘‘ | ||
Version vom 1. Dezember 2025, 13:23 Uhr
Düngung von Obstbäumen auf Streuobstwiesen
Der langfristige Erhalt von Streuobstwiesen hängt maßgeblich von einer sachgerechten Pflege ab. Dazu gehört auch eine gezielte und bedarfsgerechte Nährstoffversorgung.
Notwendigkeit der Düngung
Durch Obsternte und Mahd werden den Bäumen kontinuierlich Nährstoffe entzogen, die ohne Ausgleich zu Mangelerscheinungen führen können. Eine Bilanzrechnung zeigt: Bei zweimaliger Mahd und Obsternte pro Jahr ergeben sich jährliche Defizite von etwa 100 kg Stickstoff, 37 kg Phosphor und 136 kg Kalium pro Hektar (4). Ein Rückgang dieser Nährstoffe führt langfristig zu Kümmerwuchs, geringem Fruchter-trag und Vitalitätsverlust. Untersuchungen im Kreis Göppingen ergaben, dass von 114 untersuchten Standorten nur acht ausreichend versorgt waren (4). Aufgrund des Klimawandels sind die Bäume auf Streuobstwiesen oftmals bereits einem Dürre- und/oder Hitzestress ausgesetzt. Kommt zusätzlich ein Nährstoffmangel hinzu, steigt die Anfälligkeit für Krankheiten und Schädlingsbefall deutlich.
Nährstoffbedarf von Obstbäumen
Allgemeiner Nährstoffbedarf (Makro- und Mikronährstoffe)
Obstbäume benötigen eine Reihe von Makro- und Mikronährstoffen für Wachstum, Fruchtbildung und Gesundheit. Zu den Hauptnährstoffen zählen Stickstoff (N), Phosphor (P), Kalium (K), Calcium (Ca), Magnesium (Mg) und Schwefel (S) – daneben sind Mikronährstoffe wie Bor (B), Eisen (Fe), Zink (Zn), Mangan (Mn), Kupfer (Cu) und Molybdän (Mo) bedeutsam. (3)
Alters- und standortspezifische Unterschiede
Junge Obstbäume benötigen in der Regel geringere Nährstoffmengen als Altbäume, aber eine gezielte Versorgung zur Förderung des Wachstums ist auch bei jungen Bäumen wichtig. Auf Streuobstwiesen wird empfohlen, für Jungbäume auf der Baumscheibe (Ø ca. 2 m) im März 150-200 g organischen Dünger oder mineralischen Volldünger auszubringen. (1) Altbäume erhalten hingegen auf der Fläche der Kronentraufe (z. B. 50 m²) 5–10 kg organischen oder mineralischen Dünger im März oder 100 kg Stallmist/Kompost etc. im November. (1)
Einflussfaktoren: Bodenart, Witterung, Bewirtschaftungsform
Standortfaktoren wie Bodenfruchtbarkeit, Hanglage oder Wurzelraum beeinflussen den tatsächlichen Bedarf und die Effizienz der Düngung. Die Bodenart beeinflusst stark, wie Nährstoffe gespeichert und verfügbar gemacht werden. Leichte sandige Böden haben geringere Nährstoff- und Wasserspeicherfähigkeit als tiefgründige, humusreiche Böden. Auch die Witterung (z. B. Trockenheit, Hitze) beeinflusst Stoffwechsel und Wurzelaktivität der Bäume: Beispielsweise führt Hitze- oder Trockenstress zu eingeschränkter Aufnahme von Nährstoffen. (4) Die Bewirtschaftungsform (intensiv vs. extensiv) sowie Mahd oder Abfuhr von Schnittgut beeinflussen ebenfalls den Nährstoffabfluss.
Analyse des Nährstoffbedarfs
‘‘‘Bodenanalyse‘‘‘ Eine Bodenuntersuchung bildet die Basis für die bedarfsorientierte Düngung. Es wird empfohlen, eine Mischprobe aus 15 Einstichen pro Hektar im Tiefenbereich 0-30 cm zu entnehmen. (4) Untersucht werden z. B. pH-Wert, Gehalte an P, K, Mg und weitere Kennwerte. Boden-nährstoffvorräte ändern sich nur langsam. Deshalb ist eine Bodenanalyse im mehrjähri-gen Abstand (z. B. 3-6 Jahre) ratsam. (4) ‘‘‘Blattanalyse und visuelle Bonitur‘‘‘ Neben der Bodenanalyse können auch Blattanalysen (z. B. Messung Gehalt an N, K, Mg in Blattmaterial) sowie eine visuelle Bonitur (z. B. Blattfarbe, Triebwachstum) Hinweise auf Nährstoffmängel geben. So ist bei Magnesiummangel häufig eine deutliche Vergil-bung der älteren Blätter zu beobachten. Eine regelmäßige visuelle Kontrolle ist empfehlenswert, um frühzeitig auf Nährstoffmän-gel oder Ungleichgewichte reagieren zu können.
Düngestrategien auf Streuobstwiesen
Werden im Zuge der Analysen Nährstoffdefizite identifiziert, können unterschiedliche Düngestrategien zum Einsatz kommen. ‘‘‘Organische Düngung‘‘‘
- Stallmist: dient als organischer Dünger und kann Nährstoffe langfristig verfügbar ma-chen sowie die Humusbildung fördern. Allerdings ist die Dosierung entscheidend. Zu frischer Stallmist kann zu starkem vegetativem Wachstum verursachen.
- Reifer Kompost: bietet ebenfalls eine organische Nährstoffzufuhr, verbessert die Bo-denstruktur und fördert Bodenleben.
- Mulchen (z. B. Mähgut) bzw. das Belassen von Mähgut auf der Fläche oder das Zer-kleinern und Einmischen von Gehölzschnitt liefert organische Substanz, die im Laufe der Zeit mineralisiert wird und Nährstoffe freisetzt.
- Trester, Hornspäne und Hornmehl sind ebenfalls geeignete organische Dünger.
Der Einsatz von Gründüngung und Leguminosenförderung kann zur biologischen Stickstofffixierung und zur Zufuhr organischer Substanz beitragen und damit die Boden-fruchtbarkeit und Nachhaltigkeit erhöhen.
Mineralische Düngung
Mineralische Düngung erlaubt eine gezielte Nährstoffzufuhr und sorgt dafür, dass feh-lende Mineralstoffe den Obstbäumen schneller zur Verfügung stehen, als dies bei orga-nischen Düngern der Fall ist. Zudem ist die Mineraldüngung bei verschiedenen Mangel-erscheinungen wie z. B. Kalkmangel unabdingbar.
Gesteinsmehle: binden aufgrund ihrer feinen Körnung sehr viel Feuchtigkeit sowie vor Ort vorhandene organische Nährstoffe. Sie enthalten eine breite Palette an Mineral-stoffen und Spurenelementen. Gesteinsmehl sollte man – wie auch die einzelnen Mine-ralien - im Traufbereich der Bäume ausbringen. Die feinen Körnchen werden von Algen und Pilzen besiedelt und die Wurzeln der Pflanzen lösen durch Ausscheiden von Säu-ren Nährstoffe aus den Mineralien (= Exsudation). Würmer und andere Bodentiere neh-men die Partikel mit ihrer Nahrung auf, reichern damit ihre Ausscheidung an und trans-portieren sie in tiefere Bodenschichten. Je feiner die Körnung des Gesteins, desto schneller die Wirkung. (5) Weitere mineralische Dünger werden an dieser Stelle nicht empfohlen, weil Empfehlungen nur nach Kenntnis eines genau definierten Nährstoff-mangels gegeben werden können. Zudem ist das Streuobst-Wiki zur Unabhängigkeit verpflichtet und wird keine Dünger einzelner Firmen empfehlen.
Kombination verschiedener Düngemethoden: Eine Kombination aus organischen und mineralischen Düngemethoden gilt häufig als sinnvoll: Organisch zur Bodenpflege und Humusbildung, mineralisch zur präzisen Nährstoffergänzung. In der Praxis zeigt sich, dass eine rein organische Versorgung bei Obstbäumen meist nicht ausreicht, ins-besondere nicht bei nährstoffarmen Standorten. (4)
Zeitpunkt, Ausbringungstechnik und Dosierung: Der Zeitpunkt der Düngung ist entscheidend für ihre Effizienz: Stickstoff – einschließlich organischer Formen wie Hornspänen, die in den Boden eingearbeitet werden müssen – sollte ausschließlich im Frühjahr (Anfang März bis Anfang April) und bedarfsgerecht ausgebracht werden. Phosphor und Kalium werden in der Regel im Spätherbst oder frü-hen Frühjahr appliziert. Die Düngung erfolgt idealerweise unter der Kronentraufe, da dort die höchste Wurzelaktivität vorliegt. Die Dosierungen richten sich nach Alter des Bau-mes, Standortbedingungen und den Ergebnissen der Boden- bzw. Blattanalyse.
Auswirkungen der Düngung
‘‘‘Ertragssteigerung und Fruchtqualität‘‘‘ Eine bedarfsorientierte Düngung kann dazu beitragen, Erträge zu steigern und gleichzei-tig die Fruchtqualität zu verbessern (z. B. größerer Fruchtumfang, bessere Lagerfähig-keit). Allerdings muss die Düngung auf den Bedarf abgestimmt sein, um unerwünschte Effekte zu vermeiden. ‘‘‘Baumvitalität und Krankheitsanfälligkeit‘‘‘ Eine ausreichende Nährstoffversorgung stärkt auch die Vitalität der Obstbäume und kann die Anfälligkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen reduzieren. Umgekehrt kann ein Mangel zu Stress führen, der wiederum Krankheitsbefall begünstigt. ‘‘‘Auswirkungen auf Bodenorganismen und Biodiversität‘‘‘ Organische Düngung und Mulchanwendung verbessern die Bodenstruktur und fördern Bodenorganismen wie Regenwürmer und Mikroorganismen, was wiederum die Nähr-stoffverfügbarkeit und Wasserspeicherfähigkeit des Bodens erhöht. ‘‘‘Überdüngung‘‘‘ Bei Überdüngung besteht die Gefahr von übermäßigem vegetativem Wachstum, KKon-kurrenz zwischen Unterwuchs und Baum sowie Auswaschung von Nährstoffen in das Grundwasser. Auch kann die Biodiversität der Unterwuchs-Flora negativ beeinflusst werden, wenn eine starke Grasnarbe entsteht und typische Wiesenarten verdrängt wer-den.
Empfehlungen für die Praxis
1. Boden- und Blattanalyse durchführen. 2. Werte interpretieren: Liegen Nährstoffgehalte unter Schwellenwerten (z. B. P < 10 mg/100 g Boden)? → Düngung erforderlich. 3. Baumalter berücksichtigen: Jung- oder Altbaum? 4. Standortfaktoren prüfen: Hanglage, Bodenart, Nutzung der Wiese. 5. Düngestrategie wählen: organisch, mineralisch oder Kombination. 6. Zeitpunkt und Ausbringung definieren: z. B. unter Kronentraufe, im März oder im Herbst. 7. Monitoring und Kontrolle: Erneute Analyse nach 3-6 Jahren. ‘‘‘Handlungsempfehlungen für verschiedene Standorttypen‘‘‘
- Nährstoffarme Böden: Organische Düngung (z. B. Kompost, Mulch) kombiniert mit mo-derater Mineraldüngung zur Anfangsphase.
- Hanglagen mit geringer Tiefe: Kleinere, häufigere Gaben; stärkerer Fokus auf organi-sche Substanz und Humusaufbau.
- Intensiv genutzte Wiese unter den Bäumen (z. B. häufige Mahd & Abfuhr): Höherer Düngungsbedarf – regelmäßige Analyse empfohlen.
- Ältere Baumbestände mit schwacher Vitalität: Düngung gezielt auf Kronentraufe
Forschungsbedarf
- Langfristige Vergleichsstudien zwischen unterschiedlichen Düngestrategien (z. B. organisch vs. mineralisch vs. Kombination) auf Streuobstwiesen fehlen in ausrei-chendem Umfang.
- Die Auswirkungen der Düngung auf die Biodiversität von Unterwuchs- und Boden-organismen sind nicht hinreichend wissenschaftlich untersucht.
- Methoden zur optimalen Dosierung bei älteren Hochstamm-Obstbäumen unter wechselnden Klimabedingungen (z. B. Trockenjahre) sind zu erforschen.
- Der Einfluss von klimatischen Extremen (Hitze, Trockenheit) auf die Nährstoffauf-nahme und damit auf Düngungserfordernisse von Obstbäumen in Streuobstwiesen ist ein weiteres zukünftiges Forschungsfeld.
Literatur
1. Bergischer Streuobstwiesenverein. (o. D.). Düngung von Streuobstbäumen und Streu-obstwiesen. Bergischer Streuobstwiesenverein. https://bergischer-streuobstwiesenverein.de/obstbaeume-pflegen/duengung-von-streuobstbaeumen-und-streuobstwiesen/
2. Landratsamt Calw (2024). Düngung von Streuobstwiesen. https://www.kreis-calw.de/media/custom/2442_11521_1.PDF?1737982690
3. Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft. (2009). Richtlinien für die sachge-rechte Düngung im Obstbau. Wien. https://www.bmluk.gv.at/dam/jcr:59cdd8ba-a11c-4734-898d-a769c0a64759/Richtlinien%20f&
4. Roos, B. (2023). Nährstoffversorgung im Streuobstbau. In Bayerische Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (Hrsg.). Veitshöchheim. https://www.lwg.bayern.de/mam/cms06/weinbau/dateien/n%C3%A4hrstoffversogung_streuobst_roos.pdf
5. Schliebner, S., Decker, P., & Schlitt, M. (2023). Streuobstwiesen im Klimawandel: Ein Leitfaden. Görlitz/Ostritz. https://www.streu-obst-wiese.org/wp-content/uploads/2023/09/Streuobstwiesen-im-Klimawandel-2023.pdf