Klimafitte Sämlinge: Unterschied zwischen den Versionen
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====Praxis der Sämlings-Anzucht in der Baumschule==== | ====Praxis der Sämlings-Anzucht in der Baumschule==== | ||
Version vom 9. Januar 2026, 18:27 Uhr
Klimafitte Sämlinge
In den letzten Jahren gibt es in Österreich und Deutschland mehrere großangelegte Initiativen zur Neuanlage von Streuobstwiesen (z. B. Bayrischer Streuobstpakt, Initiative Streuobst Salzburg etc.). Zudem gibt es zahlreiche einzelbetriebliche Projekte (u. a. im Rahmen von Ausgleichsmaßnahmen). Bei Neupflanzungen von Streuobstwiesen zeigt sich, dass herkömmliches Sämlings-Pflanzmaterial trotz fachgerechter Pflege häufig keinen befriedigenden Wuchserfolg bringt. Die Bäume kümmern vielfach, bevor sie (wenn überhaupt) die volle Größe und entsprechenden Ertrag erreichen. Zunehmende langanhaltende Dürreperioden, Starkwindereignisse u. a. m. führen dazu, dass auch ältere Bäume regelmäßig absterben oder ausfallen. Diese Umstände sind in Regionen mit ausgeprägtem trocken-kontinentalem Klima (Niederschlagsjahressummen < 600 mm) und durchlässigen Böden deutlich verschärft, sodass sich die Frage stellt, ob Obstarten wie Apfel und Birne hier überhaupt noch zukunftsfähig sind. Für zuverlässige, starke und landschaftsprägende Obstbäume (sogenannte „Superhochstämme“) braucht es intensive Forschung und Entwicklung für neue genetische Ressourcen (Saatgut) und Praxis-Ansätze.
Herausforderungen bei der Anzucht von Sämlingen im Klimawandel
Monokultur unter der Grasnarbe

Bei Sämlings-Unterlagen von Hochstammapfel- und-birnbäumen wurde viele Jahrzehnte lang mit dem Sorten- Dreigespann BITTENFELDER SÄMLING, GRAHAMS JUBILÄUMSAPFEL und ANTONOWKA sowie der weithin verbreiteten KIRCHENSALLER MOSTBIRNE gearbeitet. Damit einher ging eine starke genetische Verengung („Monokultur unter der Grasnarbe“). Sämlinge vom Holzapfel bzw. der Holzbirne wurden zuletzt kaum mehr verwendet. Die Anzucht von Sämlingen aus anderen, vitalen Apfel- und Birnensorten ist seit Jahrzehnten in der Praxis unüblich. Zudem wurde die Herstellung von Sämlings-Unterlagen fast zur Gänze ins Ausland ausgelagert. Eine epigenetische Anpassung der Pflanzware aus Holland oder Polen etc. ist aufgrund der langen Standzeit in den Baumschulen nicht möglich. Großkroniges, regionales (!) Pflanzmaterial, das zudem Stammhöhen (3–12 m) garantiert, die eine maschinelle Unternutzung (Acker, Wiese, Weide etc.) erlauben, ist kaum verfügbar.
Problempunkt Wurzelschnitt

In der Baumschule werden die Wurzeln von Sämlings-Obstbäumen (mehrfach) unterschnitten, was (wie auch bei unterschnittenen starkwüchsigen Klonunterlagen) in fast allen Fällen im Zuge der Pflanzung am Zielstandort zur Ausbildung eines unnatürlichen Wurzelsystems führt. Dieses erweist sich unter den oben beschriebenen Klimabedingungen als extrem nachteilig. Durch das Unterschneiden wird das ursprünglich angelegte Herz- bzw. Pfahlwurzelsystem massiv gestört. Es kommt zu einer starken Reduktion im Spross(höhen)- und Wurzel(tiefen)-Wachstum. Damit sind die klimabedingt erforderliche Stabilität und eine dauerhafte Anbindung an tieferliegende Bodenschichten mit Wasserführung (hydraulischer Lift) deutlich verringert. Besonders problematisch ist der Umpflanzschock infolge des Wurzelschnittes, da beim Auspflügen in der Baumschule oftmals ca. 50–95 % der ursprünglichen Wurzeln verloren gehen. Die Gesamthöhe bei Direktsaat liegt im sechsten Jahr ab Saat rund 50 % über der herkömmlichen Pflanzware (siehe Abbildung unten).
Im Gegensatz zum Hochstamm-Obstbau wird im Waldbau seit Jahrzehnten intensiv über Pflanzmethoden und die Gefahr von Wurzeldeformationen geforscht. Untersuchungen aus der Schweiz und Deutschland belegen, dass teils mehr als 90 % der gepflanzten Bäume deutliche, durch die Verpflanzung entstandene, Wurzeldeformationen aufweisen. Diese sind noch nach Jahrzehnten prägend für das Wurzelsystem und v. a. von entscheidender Bedeutung für eine mangelnde Verankerung im Boden. Dazu kommt eine stark erhöhte Anfälligkeit für (Pilz-)Erkrankungen durch den Wurzelschnitt und die damit verbundenen Verletzungen. Untersuchungen von OIKOS – Institut für angewandte Ökologie & Grundlagenforschung belegen, dass dies im Bereich von Hochstamm-Obstbäumen sehr ähnlich ist.
Königsdisziplin Direktsaat
Eine vor 1930 häufig praktizierte Möglichkeit, qualitativ hochwertige Unterlagen zu erhalten, ist deren Anzucht in Beeten oder am Zielort (Maringer, 2025). Diese Art der Sämlingsvermehrung wurde u. a. bereits von Lucas (1848) in seinem Buch „Kurze Anleitung der Obstkultur“ beschrieben und insbesondere von Alois Wilfling mit seinem Forschungsinstitut OIKOS – Institut für angewandte Ökologie & Grundlagenforschung (Österreich) seit Anfang des 21. Jahrhunderts wieder praktiziert, methodisch weiterentwickelt und gelehrt (Wilfling 2023, 2024, 2025). Mittlerweile wurden von OIKOS mehr als 400 Hochstamm-Produktions-Systeme mittels Direktsaat etabliert. Die Methoden der Direktsaat und der Anzucht von Sämlingen werden von 2025 bis 2027 im deutschen Forschungsprojekt Klimafitte Anzuchts- und Etablierungsverfahren für den Streuobstbau untersucht (Arbeitsgemeinschaft Wurzel des Pomologen Verein e.V., 2025).
Die Wahl des geeigneten Saatguts
Während Hobby-Obstbaumzüchter teils beliebiges Material auch für Unterlagen ungeeigneter Edelsorten als Trestersaat aussäen, ist es für die Zukunft des Obstbaues wichtig, dass ausschließlich gesunde und möglichst zertifizierte Holzapfel- und Holzbirnen-Samen Verwendung finden. Einzelne Baumschulen verfügen noch oder wieder über vom amtlichen Pflanzenschutz kontrollierte Sämlings-Mutterbäume. Vorsicht ist auch beim Bezug von Saatgut über den Handel geboten. Dabei werden klassisch sieben Qualitätsstufen von der urwilden Saat (aus garantierten Wildbeständen von Malus sylvestris) bis zum mutterpflanzenreinen Saatgut unterschieden. In naher Zukunft werden, aufgrund der aktuell zunehmenden Versuchstätigkeit, vermehrt neue und gesunde Herkünfte verfügbar sein (Superhochstamm, 2025; Arbeitsgemeinschaft Wurzel des Pomologen Verein e.V. 2025).

Vorteile von Direktsaat
Die Direktsaat ist etwas anspruchsvoller in der Umsetzung (Know-How, Beschaffung von Materialien, Aufwand Kulturführung) im Vergleich zur Pflanzung „herkömmlicher“ Baumschulware. Dafür gewährleistet sie dauerhaft besseres Wachstum, höhere Standfestigkeit und verlässlichere Wasserversorgung der Bäume durch natürliche Pfahlwurzelentwicklung und Vermeidung von Wurzeldeformationen. Gerade an Grenzstandorten bzgl. Wasserverfügbarkeit (< 600 mm Jahresniederschlag, leichte Böden, flachgründige Böden; wie z. B. Thüringen, Brandenburg, Teile Niederösterreichs etc.) ist die Direktsaat vorzuziehen. Doch auch in vielen anderen Regionen gibt es klimawandelbedingt keine verlässliche Wasserversorgung über das ganze Jahr hinweg. Gerade bei Hochstamm-Kulturen ist der Ausfall von Bäumen wegen eines besonders trockenen Jahres verheerend, da dies den Verlust von vielen Jahren Aufbauaufwand bedeutet. Die Direktsaat fördert in langanhaltenden Trockenphasen eine kontinuierliche (Tiefen-) Wasserversorgung.
Vorteile
- kein Umpflanzschock
- Wurzelentwicklung ohne Störeinflüsse
- hohe Stabilität und Standfestigkeit
- frühe Anpassung an lokale Standortbedingungen
- Selektion der vitalsten Bäume am Standort
- Etablierung trockenheitstoleranter Unterlagen durch gezielte Selektion der Herkünfte
- Verbreiterung der genetischen Vielfalt
- Erhöhung der Resilienz im Klimawandel
- Sämlinge sind verfügbar für weitere Forschungsfragen
- Stärkung heimischer Baumschulen als Dienstleister
- Beobachtung & Forschung vor Ort
- Chance für Umweltbildungsprojekte
- kein bzw. schwaches Stützgerüst erforderlich starkwüchsige, vitale Bäume; 6. Jahr + 50 % Gesamthöhe (im Vergleich zu einem in einer Baumschule auf BITTENFELDER veredelten und gepflanztem Baum)
Nachteile
- Betreuungsaufwand (Kulturführung & Schutz) & Verlustrisiko in der Anfangszeit höher
- Beschaffung von Saatgut und Edelreisern ist meist kompliziert, da (noch) kaum am Markt vorhanden

Umsetzung der Direktsaat in der Praxis


1. SAATPLAN & VORBEREITUNG DER FLÄCHE
Für die Direktsaat muss auf Basis der jeweiligen standörtlichen Gegebenheiten (Geomorphologie, Geologie, Boden, Klima, Hydrologie, Flora & Vegetation, Lage & Umfeld, Nutzung, Raumplanung, Biodiversität etc.) ein fundierter Saatplan analog zum Bepflanzungsplan erstellt werden. Dieser enthält wichtige Parameter wie Saatzeitpunkt, Saat und Bewirtschaftungsabstände, Daten zur Unternutzung, Arten und Sorten, Ernte etc. Saat- und Bepflanzungspläne sollten möglichst über Apps zugänglich, sowie GIS- und INVEKOS- /KULAP-kompatibel sein. Eine sich in Entwicklung befindliche Applikation ist unter https://wurzel-ag.de/forschungsprojekte/erweiterung-der-sepp-app einsehbar.
Es ist anzuraten, vorab von der Fläche Bodenproben zu nehmen und diese untersuchen zu lassen, um zu sehen, ob eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen, Mineralien und Spurenelementen gegeben ist. Zur Vorbereitung der Direktsaat müssen die Saatpunkte im Gelände eingemessen und verpflockt werden. Danach wird, je nach Schädlingsdruck, um die Gesamtfläche ein Wühlmauszaun angebracht oder je Baum ein einzelner, 80 cm tiefer, Wühlmauskorb (Brown’scher Käfig) mittels Füllrohr und Erdbohrer oder mittels Schräger Künette eingesetzt.
2. SAATGUT, SAATZEITPUNKT, VERFAHREN UND SAATTECHNIK
Zur Wahl des geeigneten Saatguts siehe oben. Der Saatzeitpunkt (Herbst- oder Frühjahrssaat), hängt eng von Faktoren, wie jahreszeitlich verfügbarer Niederschlagsmenge, Bodentyp oder Schädlingsdruck (Pilze, Mäuse, Vögel etc.) ab. Damit verbunden sind Themen wie fachgerechte Lagerung des Saatgutes, Samendormanz und Stratifikation. Die Wahl des Saatverfahrens (händisch, maschinell, breitwürfig, in Kreisen, Reihen etc.) hängt vom Ziel ab. Auch muss die Saattechnik (Ablagetiefe, Saatschutz, etc.) stets an den Standort adaptiert werden. Meist werden rund 15 Samen (10–20 Stk.) je Baumstandort ausgesät.

3. KULTURFÜHRUNG I – SAMEN BIS ZUR VEREDELUNG
Sobald die Saat in der Erde ist, muss diese vor Austrocknung geschützt werden. Doch auch zu viel Feuchtigkeit wirkt nachteilig. Von der Keimung an ist der junge und noch unverholzte Sämling von mehreren Seiten bedroht:
- Unterirdische Bedrohungen: Mäuse, Wühlmäuse, Engerlinge, Ameisen, Wurzelkonkurrenz etc.
- Oberirdische Bedrohungen: Pflanzenkonkurrenz (Beschattung), Pilze, Blattläuse, Schnecken, Hasen, Rehe, Rotwild, Vögel, Weidetiere und anthropogene Einwirkungen.
- Außerirdische Bedrohungen: Sonnenbrand, Hagel, Schneedruck etc.
Der eigens für die Direktsaat entwickelte Schutzring OIKOS SEPRO2 (SEPRO = Seedprotect) ist Wurzelsperre, Schneckenblech sowie Ameisen- & Blattlausschutz zugleich. Er kann sechs Monate nach der Saat entfernt und erneut verwendet werden.

4. KULTURFÜHRUNG II – VEREDELUNG BIS ZUR ETABLIERUNG ALS SUPERHOCHSTAMM
Im Idealfall kann der im Spätherbst oder Vorfrühling ausgesäte Baum bereits im folgenden August mittels Okulation, oder im nächsten Frühling durch Kopulation, am Standort veredelt werden. Zuvor werden aus den rund 15 Keimlingen ein Z-Baum (Zukunftsbaum, besonders vital), ein R-Baum (Reservebaum, ebenfalls sehr vital, wird sechs Monate nach der Saat entfernt) sowie mehrere V-Bäume (Verlustbäume, werden nach ca. zwei Monaten entnommen) ausgewählt. Die laufende Kulturführung bis ins dritte Standjahr ab Aussaat umfasst v. a. das Gießen, Offenhalten der Baumscheibe, Pinzieren von Seitentrieben und die Kontrolle des Schutzes. Der Baum benötigt zeitlebens keinen Pflock und keine Anbindung. Ein Pflock ist nur in den Anfangsjahren zur Befestigung eines eventuell notwendigen Weideschutzes erforderlich. Zugleich macht er den Baum gut sichtbar und schützt ihn vor unbeabsichtigten Verletzungen.

Eine ausführliche, bebilderte Praxis-Anleitung zur Etablierung von Hochstamm-Produktions-Systemen mit mittels Direktsaat-Verfahren inkl. Werkzeug- & Materiallisten findet sich unter https://superhochstamm.at/1-saemlingsunterlagen-direktsaat
Herstellung von Sämlingsunterlagen in der Baumschule
Vorteile & Nachteile herkömmlicher Sämlings-Unterlagen
Herkömmlich gezogene Sämlingsunterlagen werden auch künftig zum Einsatz kommen. Den Nachteilen im Gegensatz zur Direktsaat (siehe oben) steht der Vorteil gegenüber, dass für die Pflanzung im Gelände wesentlich weniger Fachwissen, Organisations- und Pflegeaufwand vonnöten ist.
Vorteile
- durchgehende Betreuung gewährleistet (Aufwand hoch)
- homogene Ware, weil Standardbedingungen & hohe Dichte (Einheitlichkeit in Kulturführung & Pflanzenschutz).
Nachteile
- Wurzelschnitt im 3. Jahr: (Zer-)Störung natürliches (Tiefen-)Wurzelsystem (dauerhafter Nachteil)
- Umpflanzschock
- Wachstumsverzögerung in den Folgejahren
- starkes Stützgerüst erforderlich
- schlechter Wuchs im 4.-7.+ Wuchsjahr
- keine epigenetische Anpassung (weil Unterlage meist älter als 4. Jahre).
Praxis der Sämlings-Anzucht in der Baumschule

Baumschulen bieten ideale Rahmenbedingungen für die Anzucht von Jungbäumen, da dort unter standardisierten Bedingungen Pflanzware in einheitlicher Qualität erzeugt werden kann. Aus Kostengründen wurde die Erzeugung von starkwüchsigen Unterlagen in fast allen heimischen Baumschulen bereits vor Jahrzehnten aufgegeben. Unterlagen werden fertig zugekauft.
Bei der Herstellung von Sämlingsunterlagen in der Baumschule laufen viele Schritte gleich ab, wie bei der Direktsaat, andere weichen deutlich ab:
1. SAATPLAN & VORBEREITUNG FLÄCHE
Anstatt jeden künftigen Baum-Standort einzeln vorzubereiten und zu schützen, wird ein Saatbeet bereitet. Je nach Wühlmausdruck wird um die Gesamtfläche der Baumschule ein Wühlmauszaun angebracht oder die Mäuse werden gezielt und laufend bekämpft.
2. SAATGUT, -ZEITPUNKT, -VERFAHREN & -TECHNIK
Bzgl. Saat sind grundsätzlich die gleichen Punkte zu beachten, wie bei der Direktsaat. Jedoch macht es Sinn, das Saatgut bereits früh im Winter im beheizten Glashaus / Folientunnel vorzuziehen.
3. KULTURFÜHRUNG
In der Baumschule werden viele negativen Faktoren (Wühlmausdruck, Wurzelkonkurrenz, Schadinsekten etc.) bei der Bewirtschaftung durch die generelle Anlage und Arbeitsweise weitgehend ausgeschlossen. Selbst mit Witterungseinflüssen kann hier besser umgegangen werden (z. B. Hagelnetze, Beschattung, Bewässerung etc.). Nach der Keimung werden die Jungbäume vereinzelt und in Reihen ausgesetzt. Weitere Maßnahmen (regelmäßiges Gießen, Pinzieren von Seitentrieben, Anbinden etc.) sowie auch die Veredelung kann unter Baumschulbedingungen einfacher durchgeführt werden als im Freiland.
Ausblick & Forschungsbedarf

Zum Hochstammobstbau gibt es seit 80 Jahren kaum nennenswerte Forschung. Obwohl die Themen „Unterlagen“ und „Wurzelentwicklung“ zuletzt in Fachkreisen an Bedeutung gewonnen haben, ist das Defizit noch lange nicht aufgeholt. Folgende Themen müssen im Zentrum künftiger Forschung stehen:
- Klimafittes Saatgut: Angesichts des Klimawandels müssen dringend neue genetische Ressourcen erschlossen werden. Der Fokus muss dabei auf Bäumen liegen, die lange Trockenperioden bei guter Vitalität überstehen können.
- Direktsaat: Dass Obstbäume, die direkt gesät wurden, wuchskräftiger und vitaler sind, ist vielfach durch Beobachtungen belegt. Im Forstbereich gibt es dazu bereits umfangreiche Studien.
Die im Projekt SUPERHOCHSTAMM entwickelte Methode setzt auf einen umfangreichen Schutz des heranwachsenden Keimlings. Zur weiteren Verbesserung der Methode braucht es umfangreiche Feldversuche in unterschiedlichen Varianten und mit laufender Bonitierung und Dokumentation (im Vergleich zu herkömmlicher Pflanzung).
- Wurzel & Wurzeldeformationen: Wir befinden uns im 21. Jahrhundert, dennoch wissen wir sehr wenig über Baumwurzeln. Die untere Hälfte des Baumes ist für uns ein „Terra incognita“.
Um die Unterschiede im Wurzelwachstum zwischen klassischer Pflanzware (inkl. Wurzelschnitt) und Bäumen aus Direktsaat (ohne Wurzelschnitt) zu erforschen und zu belegen, wurden in den letzten Jahren vermehrt Bäume unterschiedlichen Alters sowohl non-invasiv (mittels Wurzelradar) als auch invasiv (durch Grabungen) untersucht.
Einzelnachweise
Arbeitsgemeinschaft Wurzel des Pomologen Verein e.V., die-Ableger, & Botanik Weißenburg. (2025). Klimafitte Sämlinge – Klimafitte Anzuchts- und Etablierungsverfahren für den Streuobstbau. Abgerufen am 16. Dezember 2025, von https://wurzel-ag.de/forschungsprojekte/klimafitte-saemlinge
Die Presse: https://www.diepresse.com/20215556/obstbau-hohe-baeume-muss-man-nicht-haendisch-bewirtschaften
Lucas, E. (1848). Kurze Anleitung zur Obstkultur. E. Ulmer.
Maringer, J., Radtke, M., & Schulz, C. (2025). Klimawandelanpassung im Streuobst – Potentialstudie für klimaresiliente Bewirtschaftungssysteme und Erprobung alternativer Baumarten und Anbausysteme [Endbericht]. Ministerium für Ernährung, ländlicher Raum und Verbraucherschutz.
Superhochstamm. (2025). Klimaresiliente Sämlingsunterlagen & Direktsaat. Abgerufen am 14. Dezember 2025 von https://superhochstamm.at/hps-praxis
Wilfling, A. (2023). Klimaresiliente Mehrnutzen-Hochstamm-Produktionssysteme für eine zukunftsfähige Bewirtschaftung im Obstbau & Agroforst. Obst – Wein – Garten, 92, 3–5.
Wilfling, A. (2024). Superhochstämme - Moderne Hochstamm-Produktionssysteme, bundesweiter Agroforstkongress 2024. https://www.youtube.com/watch?v=RlGX4gZPru4
Wilfling, A. (2025). Königsdisziplin Direktsaat – Resiliente Sämlingsunterlagen für moderne Superhochstamm-Produktions-Systeme. Besseres Obst, 8, 14–18.
Wilfling, A. (2025a). Sämlingsunterlagen & Direktsaat als Basis für den klimafitten Hochstamm-Obstbau der Zukunft. https://www.streuobst.dvl.org/fileadmin/user_upload_streuobst/Downloads/Online-Schulungen/Wilfling_Saemlingsunterlagen-Direktsaat_20-01-2025.pdf