Klimaresiliente Baumarten für den Streuobstbau: Unterschied zwischen den Versionen

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== Warum klimaresiliente Obstgehölze wichtig werden ==
== Warum klimaresiliente Obstgehölze wichtig werden ==
Steigende Temperaturen und längere Trockenperioden verändern die Bedingungen im mitteleuropäischen Streuobstbau. Daher rückt der Anbau hitze- und trockenheitstoleranter Obstgehölze in den Fokus. Vielversprechende Alternativen zu den klassischen Kern- und Steinobstarten stammen vor allem aus mediterranen und kontinentalen Klimaregionen.
Steigende Temperaturen und längere Trockenperioden verändern die Bedingungen im mitteleuropäischen Streuobstbau. Daher rückt der Anbau hitze- und trockenheitstoleranter Obstgehölze in den Fokus. Vielversprechende Alternativen zu den klassischen Kern- und Steinobstarten stammen vor allem aus mediterranen und kontinentalen Klimaregionen.
== Kriterien für geeignete Arten ==
== Kriterien für geeignete Arten ==
Damit eine Obstart im Streuobstbau Mitteleuropas erfolgreich ist, muss sie:
Damit eine Obstart im Streuobstbau Mitteleuropas erfolgreich ist, muss sie:
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== Potenzielle Kandidaten ==
== Potenzielle Kandidaten ==
Erste Praxiserfahrungen zeigen gute Perspektiven für Fruchtsorten folgender Arten (1, 3, 4):
[[Datei: Kakifrüchte.jpeg|thumb|upright=1.5
* Esskastanie (''Castanea sativa''),
|right| Kakifrüchte. Quelle: ARCHE NOAH Rupert Pessl]]
* Feige (''Ficus caria'')
Erste Praxiserfahrungen zeigen gute Perspektiven für Fruchtsorten folgender Arten <ref name="Jäger2017">Jäger, M. (2017). ''Agroforstsysteme. Hochstamm-, Wildobst- und Laubbäume mit Kulturpflanzen kombinieren''. AGRIDEA</ref><ref name="Pirc2021">Pirc, H. (2021). ''Enzyklopädie der Wildobst- und seltenen Obstarten (2. Auflage)''. Leopold Stocker Verlag.</ref><ref name="Tatschel2015">Tatschl, S. (2015). ''555 Obstsorten für den Permakulturgarten und -balkon: Planen, auswählen, ernten, genießen (1. Aufl..)''. Löwenzahn.</ref>:
* Haselnuss (''Corylus avellana''),
* '''[[Edelkastanie]]''' (''Castanea sativa''),
* Jujube / Chinesische Dattel (''Ziziphus jujuba'')
* '''Feige''' (''Ficus caria''),
* Kaki (''Diospyros kaki'' und ihre Hybriden),
* '''Haselnuss''' (''Corylus avellana''),
* Mandel (''Prunus dulcis''),
* '''Jujube / Chinesische Dattel''' (''Ziziphus jujuba''),
* Maulbeere (''Morus'' sp.),
* '''Kaki''' (''Diospyros kaki'' und ihre Hybriden),
* Pawpaw / Indianerbanane (''Asimina triloba''),
* '''[[Mandel]]''' (''Prunus dulcis''),
* Quitte (''Cydonia oblonga'')
* '''[[Maulbeere]]''' (''Morus'' sp.),
* Pekanuss (''Carya illinoinensis'')
* '''Pawpaw / Indianerbanane''' (''Asimina triloba''),
* Mispel (''Mespilus germanica'')
* '''Quitte''' (''Cydonia oblonga''),
* '''Pekanuss''' (''Carya illinoinensis''),
* '''Mispel''' (''Mespilus germanica''),
* '''Oliven''' (''Olea europaea''),
* '''[[Walnuss]]''' (''Juglans regia'').


Diese Liste wächst laufend, da weitere Arten getestet werden.
Diese Liste wächst laufend, da weitere Arten getestet werden.
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== Wildobstarten als Ergänzung ==
== Wildobstarten als Ergänzung ==
Einige Wildobstarten sind klimaresilient und können im Streuobstbau oder in einer Fruchthecke angebaut werden (3,4). Unter „Wildobst“ versteht man fruchttragende Gehölze, die nicht oder sehr gering züchterisch bearbeitet sind und, die sich auch ohne Zutun des Menschen vermehren. Elsbeere (Sorbus torminalis), Speierling (Sorbus domestica), Eberesche (Sorbus aucuparia) und Kornelkirsche (Cornus mas) sind typische Wildobstarten, die im Streuobstanbau verstärkt Beachtung finden können.  
[[Datei: Dirndlstrauch Holler.jpg|thumb|upright=1|right|Kornelkirsche. Quelle: Cjhristian Holler]]
Einige Wildobstarten sind klimaresilient und können im Streuobstbau oder in einer Fruchthecke angebaut werden<ref name="Pirc2021" /><ref name="Tatschel2015" />. Unter „Wildobst“ versteht man fruchttragende Gehölze, die nicht oder sehr gering züchterisch bearbeitet sind und, die sich auch ohne Zutun des Menschen vermehren. Elsbeere ''(Sorbus torminalis''), Speierling (''Sorbus domestica''), Eberesche (''Sorbus aucuparia'') und Kornelkirsche (''Cornus mas'') sind typische Wildobstarten, die im Streuobstanbau verstärkt Beachtung finden können.


== Einzelnachweis ==
== Einzelnachweis ==
1 Jäger, M. (2017). Agroforstsysteme. Hochstamm-, Wildobst- und Laubbäume mit Kulturpflanzen kombinieren (AGRIDEA, Hrsg.)
<references />
2 Meindl, P. & Markut, T. (2022). Agroforst—Umsetzung auf dem Betrieb. Was ist bei der Beratung zu berücksichtigen? Peter Meindl (FIBL, Hrsg.)
3 Pirc, H. (2021). Enzyklopädie der Wildobst- und seltenen Obstarten (2. Auflage). Leopold Stocker Verlag.
4 Tatschl, S. (2015). 555 Obstsorten für den Permakulturgarten und -balkon: Planen, auswählen, ernten, genießen (1. Aufl..). Löwenzahn.

Aktuelle Version vom 30. November 2025, 10:03 Uhr

Warum klimaresiliente Obstgehölze wichtig werden

Steigende Temperaturen und längere Trockenperioden verändern die Bedingungen im mitteleuropäischen Streuobstbau. Daher rückt der Anbau hitze- und trockenheitstoleranter Obstgehölze in den Fokus. Vielversprechende Alternativen zu den klassischen Kern- und Steinobstarten stammen vor allem aus mediterranen und kontinentalen Klimaregionen.

Kriterien für geeignete Arten

Damit eine Obstart im Streuobstbau Mitteleuropas erfolgreich ist, muss sie:

  • trocken- und hitzestresstolerant sein,
  • leichte bis mittlere Winterfröste aushalten (mind. – 18 °C),
  • ihre Früchte in Lagen bis 600 m ü. NN zuverlässig ausreifen lassen,
  • sich als Obstgehölz im Herkunftsland bewährt haben,
  • Verwendungsmöglichkeiten bieten (Tafelobst, Marmelade, Destillat, Saft, Dörrobst etc.)
  • geringe Anfälligkeit für Krankheiten und Schaderreger aufweisen.

Einschränkungen in Bewirtschaftung und bei Förderungen

Die traditionellen Baumarten wie Apfel, Birne oder Kirsche lassen sich als Halb- oder Hochstamm ziehen. Das ermöglicht eine maschinelle Bearbeitung des Unterwuchses und eine Weidenutzung. Eine Beweidung mit Schafen oder Kühen ist bei kleinen Baumformen und niedrigeren Kronen auszuschließen bzw. müssen die Bäume dauerhaft durch Zäune oder andere geeignete Maßnahmen (z. B. Normannisches Korsett) geschützt werden. Öffentliche Förderungen sind an bestimmte Baumarten und Stammhöhen gebunden. Nicht alle klimaresilienten Baumarten erfüllen die Fördervoraussetzungen.

Potenzielle Kandidaten

Kakifrüchte. Quelle: ARCHE NOAH Rupert Pessl

Erste Praxiserfahrungen zeigen gute Perspektiven für Fruchtsorten folgender Arten [1][2][3]:

  • Edelkastanie (Castanea sativa),
  • Feige (Ficus caria),
  • Haselnuss (Corylus avellana),
  • Jujube / Chinesische Dattel (Ziziphus jujuba),
  • Kaki (Diospyros kaki und ihre Hybriden),
  • Mandel (Prunus dulcis),
  • Maulbeere (Morus sp.),
  • Pawpaw / Indianerbanane (Asimina triloba),
  • Quitte (Cydonia oblonga),
  • Pekanuss (Carya illinoinensis),
  • Mispel (Mespilus germanica),
  • Oliven (Olea europaea),
  • Walnuss (Juglans regia).

Diese Liste wächst laufend, da weitere Arten getestet werden.

Forschungsfragen

Noch können keine vorbehaltslosen Empfehlungen für einen großflächigen Anbau im deutschsprachigen Raum gegeben werden. So können beispielsweise Spätfröste Blüten und junge Triebe schädigen. Das schränkt den Anbau ein. Außerdem fehlen Lösungen für Vermarktung und Verarbeitung. Auch die betriebswirtschaftliche Rentabilität muss systematisch untersucht werden.

Wildobstarten als Ergänzung

Kornelkirsche. Quelle: Cjhristian Holler

Einige Wildobstarten sind klimaresilient und können im Streuobstbau oder in einer Fruchthecke angebaut werden[2][3]. Unter „Wildobst“ versteht man fruchttragende Gehölze, die nicht oder sehr gering züchterisch bearbeitet sind und, die sich auch ohne Zutun des Menschen vermehren. Elsbeere (Sorbus torminalis), Speierling (Sorbus domestica), Eberesche (Sorbus aucuparia) und Kornelkirsche (Cornus mas) sind typische Wildobstarten, die im Streuobstanbau verstärkt Beachtung finden können.

Einzelnachweis

  1. Jäger, M. (2017). Agroforstsysteme. Hochstamm-, Wildobst- und Laubbäume mit Kulturpflanzen kombinieren. AGRIDEA
  2. 2,0 2,1 Pirc, H. (2021). Enzyklopädie der Wildobst- und seltenen Obstarten (2. Auflage). Leopold Stocker Verlag.
  3. 3,0 3,1 Tatschl, S. (2015). 555 Obstsorten für den Permakulturgarten und -balkon: Planen, auswählen, ernten, genießen (1. Aufl..). Löwenzahn.